Hintergrund

Gutachter werden zu Entscheidern in Zivil – und Strafrechtsprozessen. Das erstellte Gutachten ist oft entscheidend für die Urteilsfindung im Prozess und die juristischen Folgen haben in vielen Fällen eine große Bedeutung für das weitere Leben von Menschen. Eine Studie unter der Leitung von Frau Professor Gressner (München) aus dem Jahr 2014 beschreibt die Gutachterstrukturen in Deutschland als hoch bedenklich. Die „menschliche Schwäche“, Gutachten vom Schwerpunkt der Untersuchung und dessen Ergebnis so zu gestalten, dass der Auftraggeber weitere Gutachten in Auftrag geben wird, stellt für die Probanden, die mit einem für sie negativen Ergebnis des Gutachtens leben müssen und deren Anwälte, ein praktisches und wirtschaftliches Problem dar. Der Widerspruch scheint unmöglich, da der Gutachter als Sachverständiger ausgewählt und womöglich bereits in anderen Gerichtsverfahren bestellt wurde. Ein potentieller Gegengutachter braucht die entsprechende Reputation, verzögert aber in jedem Fall den Gerichtsstreit und beansprucht den Geldbeutel und die Nerven. Die im Internet veröffentlichten Listen mit Einschätzungen der tätigen Gutachter helfen ebenso wenig, da die Auswahl geeigneter Gutachter oft von der jeweiligen Konstellation abhängig ist.

Eigene Erfahrungen aus insgesamt ca. 1.800 Fallbearbeitungen im Bereich Medizin- und Pflegemanagement, bestätigen diese Erkenntnis.

Prävention hilft bei der Planung des Gutachtenauftrages. Es kommt deshalb darauf an, möglichst schon im außergerichtlichen, spätestens jedoch im Frühstadium eines Gerichtsverfahrens, eine effektive, das heißt zeit- und kostensparende Möglichkeit der Überprüfung des Gutachtens zu haben. Es stellen sich folgende Fragen:

  • Ist das Gutachten überhaupt angreifbar? Wenn ja, in welchen Punkten?
  • Welche Fachkenntnis ist erforderlich?
  • Wie viel Zeit- und Kostenaufwand entsteht?
  • Welche Erfolgssaussichten bestehen ?


Für die Beantwortung dieser Fragen stehen wir mit unserem Team allen Mandanten für eine berechtigte Durchsetzung sowie einer Abwehr unberechtigter Ansprüche zu Verfügung.

Wir vertreten die Auffassung, dass man Mandanten/Kunden nur dann optimal beraten kann, wenn man auch Aufträge der Gegenseite annimmt.

Das Gutachterwesen in Deutschland krankt nach wie vor daran, dass kein staatliches Gremium oder Institut existiert, welches für alle Wissenschaftsbereiche die Qualifikation des forensischen Sachverständigen erteilt. Vielmehr bestellen Industrie- und Handelskammern alle möglichen Antragsteller und vereidigen sie, ohne die individuelle Befähigung zu prüfen.

Forensic Sciences, Engineering & HealthCare Service reduziert bei Gutachtenaufträgen die Abhängigkeiten und dadurch die Gefahr von Gefälligkeitsgutachten, indem die Gutachter nur fachlich relevante Informationen ohne Individualisierungen erhalten. So erfährt der Gutachter nicht, wer der Auftraggeber des Gutachtens ist, welche Parteien in das Verfahren involviert sind, sondern ausschließlich die den zu begutachtenden Umstand betreffenden Fakten.

Im Bereich der Polizei gibt es nur wenige forensische Experten, die ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse Gerichten im Rahmen eines Strafverfahrens zur Verfügung stellen. Eine Anwendung im Zivilrecht findet bisher kaum statt. Außerhalb der Polizei arbeiten nur sehr wenige forensische Experten, obwohl ein sehr hoher Bedarf bei Versicherungsgesellschaften, Banken und anderen Wirtschaftsunternehmen sowie dem Leistungssport besteht. Ohne hoch qualifizierte Forensiker gestaltet sich die Kommunikation zwischen Juristen und anderen Experten sehr schwierig. Dieses Phänomen wirkt sich häufig auf die Effizienz der Rechtsprechung aus und führt zu Ungerechtigkeiten und schwindendem Vertrauen der Bürger/innen in die Justiz.

Es sind nicht nur die naturwissenschaftlich-technischen Fehlerquellen im Auge zu behalten; zu bedenken ist vielmehr, dass zusätzlich die gleichen Fehlerquellen eröffnet sind, wie beim gerügten problematischen Zeugenbeweis, vor allem Irrtum, Nachlässigkeit, Eitelkeit, Geltungsbedürfnis, Selbstüberschätzung sowie die ungebrochene Kraft der Vorurteils und der Lüge. Nur eine interdisziplinäre Sichtweise und praktischer Erfahrung, kann zu besseren Ergebnissen führen.

Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus schließt mit ihrem Studiengang „Forensic Sciences and Engineering“ Master of Sciences (M.Sc.) diese Lücke und hilft somit den Bedarf von universitär ausgebildeten Forensikern zu decken.

https://www.b-tu.de/forensic-sciences-ms/steckbrief .

Eine erfolgreiche Tätigkeit dieser Absolventen ist jedoch nur in Kombination mit weiteren akademischen Abschlüssen aus den Bereichen der Natur- bzw. Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Medizin/Gesundheitswissenschaften/Pflege oder Rechtswissenschaften möglich. Regelmäßige Fortbildungen und ein hohes Maß an Wissenschaftsaffinität sind weitere Grundvoraussetzungen für Forensiker.