Individualpersonen und Anwaltskanzleien

Bei der Unterstützung im Rahmen der Regulierung von Personenschäden übernimmt unser Forensic-Expertenteam folgende Aufgaben für Sie:

  1. Kommunikation mit Versicherungsgesellschaften
  2. Initiierung eines wirksamen Personenschadenmanagements (medizinisches- , pflegerisches- und berufliches Case – Management)

Unsere Leistungen umfassen dabei ein breites Spektrum an fachspezifischen Vorgehensweisen:

  • den Einsatz eines Prognosetools für das Personenschadenmanagement, basierend auf der Erfahrung von 1.800 bearbeiteten Fällen
  • Anforderung von medizinischen Unterlagen und eine Kommentierung durch klinisch tätige Chef- und Oberärzte aller Fachgebiete, auf Wunsch auch eine Beschreibung von Zukunftsrisiken
  • Überprüfung der bestehenden Versorgungsstrukturen und Qualitätsprüfung medizinischer und pflegerischer Handlungsabläufe (ambulant, teilstationär, stationär)
  • Untersuchung bei Verdacht von Behandlungsfehlern, Aufklärungsverletzungen und Organisationsverschulden im Rahmen medizinischer Behandlungen
  • Untersuchung bei Verdacht auf Pflegefehler mit fachärztlicher Stellungnahme zu Heilverfahren
  • Evaluation und Kontrolle vorhandener Gutachten
  • Strategisches Management bei unschlüssigen bzw. vermeintlich falschen Gutachten
  • Ermittlung und Bewertung des pflegerischen und hauswirtschaftlichen Bedarfes von Geschädigten


Alle relevanten Ergebnisse fließen in die Entwicklung einer Regulierungsstrategie unter Einbeziehung aller Schadenpositionen inklusive der Zukunftsrisiken und des möglichen Schmerzensgeldes bzw. einer Schmerzensgeldrente. Unser Fokus liegt auf dem Ziel der Erreichung eines bestmöglichen Unfallfolgezustandes. Wir helfen Ihnen mit unseren Kompetenzen im Bereich des Gutachtenmanagements, des Coachings und der Kommunikation bei der Geltendmachung von Ansprüchen gegenüber:

  1. Berufsunfähigkeitsversicherungen (BUZ)
  2. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen im Rahmen der Anerkennung von Berufskrankheiten (Berufskrankheitenfeststellungsverfahren)

Gern widmen wir uns auch Ihren individuellen Fragestellungen, z.B. der Unfallanalytik, auch bei Freizeit-, Sport-, Spielplatzunfällen bzw. Fällen mit der Notwendigkeit einer Brandursachenermittlung , Blutspurenanalyse etc..

 

Case study

Im Alter von 10 Jahren verunfallte Kathrin L. auf dem Weg zur Schule an einer Fußgängerampel. Ein PKW-Fahrer hatte das Mädchen übersehen. K. erlitt ein Polytrauma und ein Schädelhirntrauma zweiten Grades. Sie wurde in der Akutphase in einer Berufsgenossenschaftlichen-Klinik unter anderem mit Komavertiefung behandelt und kam nach 3 Wochen stationären Aufenthalt zur rehabilitatorischen Förderung in eine Kinderrehaklinik. In Folge des Unfalles kam es zu neuropsychologischen Auffälligkeiten. Die weitere ambulante Betreuung fand im Auftrag einer Unfallkasse in einem Sozialpädiatrischen Zentrum statt. Trotz Wiederholung des 4. Schuljahres wurden deutliche Lernprobleme beschrieben. Die durch die Unfallkasse gewährte Unterstützung wurde durch einen privaten Rehabilitationsdienst ergänzt. Die schlechten schulischen Leistungen konnten auch durch intensive unterstützende Maßnahmen nicht kompensiert werden. Auch die 6. Klasse musste wiederholt werden.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass es in Deutschland bis heute noch keine einheitliche Einteilung zur Bewertung des Schweregrades eines Schädelhirntraumas gibt, auch wenn es seit Jahrzehnten dazu Bemühungen in Fachkreisen gibt (vgl. Piek 2005). Die Unfallkasse hatte ihre Bemühungen im Rahmen des BG-Heilverfahrens 4 Jahre nach dem Unfall eingestellt. Entsprechend der vorliegenden neuropsychologische Begutachtung lag eine Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von 20 vor.

Zu diesem Zeitpunkt beauftragte mich die involvierte Fachanwaltskanzlei für Verkehrs- und Versicherungsrecht mit der Überprüfung der vorliegenden Gutachten bzw. Initiierung einer Neubegutachtung in Abstimmung mit dem Haftpflichtversicherer.

Vorab ordnete und analysierte ich unter Mitarbeit einer Neuropsychologin die vorliegenden medizinische Berichte und Gutachten.

Die medizinische Dokumentation, beginnend mit dem D-Arztbericht bis zum Entlassungsbericht der Klinik halten sich nicht an die Glasgow Coma Scala (GCS) zur Klassifizierung und Verlaufsbeurteilung einer Hirnfunktionsstörung. Leider wurde bereits hier nicht „lege artis“ gearbeitet. Weder eine ordentliche Beschreibung der Komatiefe nach GCS noch die Komadauer wurden angegeben. Weitere Gutachten, u.a. auch ein im Auftrag einer Unfallversicherung erstelltes neurologisches Gutachten nach den Regeln der privaten Unfallversicherung kommt zu einer deutlichen Minderbewertung der vorliegenden Defizite. Ein durch den Haftpflichtversicherer beauftragtes „Medizinisches Gutachteninstitut“ übernimmt ohne eigene substantielle Untersuchungen anzustellen, fehlerhafte Untersuchungsergebnisse und kommt in seiner Bewertung ebenfalls auf einen Invaliditätsgrad von 20. Auf die Aufzählung weiterer Defizite im Rahmen der Untersuchungen und Dokumentationen kann verzichtet werden.

Zwischenzeitlich konnten auch der Haftpflichtversicherer und die Unfallkasse überzeugt werden, dass die wissenschaftliche Grundlage der bisherigen Begutachtung in der Substanz fehlerhaft ist.

Ein neues, wirklich verwertbares und fachlich hervorragend herausgearbeitetes neuropsychologisches Gutachten dokumentierte erstmals die gravierenden Einschränkungen in aller Umfänglichkeit. Die Neuropsychologin und ein zusätzlich involvierter Neurologe kommen zu dem Schluss, dass die Minderung der Erwerbsfähigkeit seit dem Unfalltag 60 von Hundert beträgt. Der beratende Neuropsychologe der Unfallkasse schloss sich der Meinung an.

Die Regulierung des Personenschadens konnte nun endlich auf der Grundlage von wissenschaftlich fundierten Gutachten stattfinden. Einer Neubewertung der Schadenpositionen zu Gunsten von K. stand nichts mehr im Wege.